Internationalität trifft Studium

Interview mit Bernd Brennenstuhl, Ausbildungsleiter HP Deutschland

 

Bernd Brennenstuhl - Ausbildungsleiter HP Deutschland

Herr Brennenstuhl, HP ist eine international ausgerichtete Firma. Wie zeigt sich das in Ihren Studienangeboten?

Ein Bewerber wird zuerst bemerken, dass bei HP international ausgerichtete Studiengänge angeboten werden. Allen voran unser Studiengang „International Business Information Management“. Aber auch alle weiteren Studiengänge sind bei uns sehr international aufgebaut. So ist es zum Beispiel unser Ziel, dass jeder Studierende während des Studiums im Rahmen eines Praxissemesters für 3 Monate ins Ausland geht. Übliche Länder sind hier USA, Dubai, Australien, Singapur. Darüber hinaus unterstützen wir sehr, dass die Studierenden zusätzlich ein Theoriesemester an einer internationalen Universität im Ausland absolvieren.
Zusätzlich bieten wir interne Schulungen an, mit deren Hilfe sich die Studenten auf das Zusammenarbeiten in globalen Teams vorbereiten können. Schlussendlich sind ergänzende Trainings zur Erweiterung der individuellen Fremdsprachenkenntnisse etabliert. Alle diese Aktivitäten – und noch einige mehr - sind in das Duale Studium bei HP integriert und verlängern dadurch die Studienzeit von 3 Jahren nicht.

Was bedeutet denn der Begriff „Duales Studium“ und worin unterscheidet sich Ihrer Meinung nach das Duale Studium von einem Studium an einer Fachhochschule oder Uni?

Oh je, wie viel Zeit haben Sie? Da gibt es eine ganze Reihe von Unterschieden. Der wichtigste ist sicher, dass das Duale Studium an der DHBW (Duale Hochschule Baden-Württemberg) immer in Verbindung mit einem Ausbildungsbetrieb läuft. Das Studium dauert 3 Jahre und wechselt regelmäßig zwischen einem dreimonatigen Theorieteil an der Hochschule und einem dreimonatigen Praxisteil im Unternehmen ab. Der Studierende ist in dieser Zeit also nicht nur Hochschulstudent, sondern auch sehr in das Unternehmen eingebunden und erlangt dadurch Praxiserfahrung, die typischerweise in dieser Intensität bei anderen Hochschuleinrichtungen nicht erzielt werden kann.
Aus Sicht der Studierenden ist sicher auch die Tatsche, dass es während des Studiums eine Ausbildungsvergütung vom Unternehmen gibt, ein wichtiger Unterschied. Dadurch erlangen sie einen hohen Grad an Unabhängigkeit und können sich voll auf ihr Studium konzentrieren, ohne eventuell Nebenjobs annehmen zu müssen.
Das Duale Studium an der DHBW ist als Intensivstudium eingestuft. Da ist es sicher hilfreich, dass es mehrere Unterstützer gibt, die im Zweifel helfen können. Eben nicht nur die Professoren und Dozenten der Hochschule, sondern zusätzlich auch die Betreuer im Ausbildungsbetrieb.
Zum Ende des Studiums zeigt sich ein weiterer wichtiger Unterschied. Üblicherweise sind die Unternehmen bestrebt, ihre Dualen Studenten auch in ein nachfolgendes Arbeitsverhältnis zu übernehmen. Oft haben die Studierenden schon lange vor Studiums Ende ihren anschließenden Arbeitsvertrag in der Tasche. Dadurch können sie sich erneut voll und ganz auf ihre Abschlussnoten konzentrieren und werden nicht durch parallele Jobsuche defokussiert.

Sie erwähnten den Begriff „Unabhängigkeit“ was bedeutet dies im Zusammenhang mit einem Dualen Studium bei HP?

In erster Linie fällt mir da die finanzielle Unabhängigkeit durch die Ausbildungsvergütung ein. Mit der finanziellen Unabhängigkeit kommen dann automatisch Dinge wie von zu Hause ausziehen, ein eigenes Auto etc. Unabhängigkeit bedeutet aber auch, dass sich die Studenten ihre Praxiseinsätze bei uns im Unternehmen meist selbst wählen können.
Jeder Studierende hat die Möglichkeit nach seinen eigenen Interessen und Neigungen seine Projekte innerhalb des Unternehmens zu suchen. Natürlich müssen die Themen inhaltlich zum Studium passen. Außerdem sind die Studierenden später unabhängig vom Unternehmen. Nach den 3 Studienjahren können sie sich frei entscheiden, ob sie einen Arbeitsvertrag von ihrer Firma annehmen, ein Masterstudium beginnen oder andere Wege einschlagen.

Gerät durch die stärkere Praxisausrichtung nicht die Theorie in den Hintergrund?

Die Struktur des Dualen Studium ist so aufgebaut, dass es während er Theoriephase keine Freistunden oder gar Ferien gibt. Ein Vorlesungstag geht typischer Weise von morgens um 8 bis abends um 18 Uhr. Urlaub kann nur während der Praxisphase genommen werden.
Im Vergleich zu anderen Hochschulformen beinhaltet das Duale Studium in der Summe ähnlich viele Unterrichtseinheiten. Natürlich muss der Studierende all die Informationen auch in der kurzen Zeit aufnehmen, verarbeiten und speichern können. Dies stellt sicher eine besondere Herausforderung im Dualen Studium dar.

Wie sehen die Praxisphasen im Betrieb aus? Gibt es da auch eine Zusammenarbeit mit anderen HP Mitarbeitern?

In der Regel sucht sich jeder Studierende bei HP seine Praxisabteilungen selbst aus. Während der ganzen Praxisphase wird dann an einem oder auch an mehreren Projekten gearbeitet. Natürlich gibt es in jeder Abteilung einen Betreuer, der dem Studenten bei Fragen mit Rat und Tat zur Seite steht. Wie stark mit den anderen Mitarbeitern zusammengearbeitet wird, hängt ganz vom jeweiligen Projekt ab. Oft sind unsere Studenten allerdings mit ihren Projekten in internationale Teams integriert. So baut sich jeder Studierende nach und nach sein eigenes „Netzwerk“ innerhalb HP auf und kann bei kommenden Praxisphasen, Auslandseinsätzen oder bei der Übernahme auf diese Kontakte zurückgreifen.

Welche Studienrichtungen bietet HP an und warum gerade diese?

Die Ausbildung bei HP ist bedarfsorientiert. Oder in anderen Worten, wir planen, unsere Studierenden nach ihrem Studium auch zu übernehmen. Dementsprechend leitet sich die Auswahl der Studiengänge nach dem Bedarf an zukünftigen Arbeitskräften ab. Eine genaue Übersicht über unsere Angebote können sie unter www.hp.com/de/ausbildung ersehen.

Was tut die Firma und was können die Schüler tun, um sich heute schon für den Arbeitsmarkt bzw. einem Studienplatz bei HP zu qualifizieren?

Als Unternehmen engagieren wir uns z.B. in Schulen, um schon frühzeitig aufzuzeigen, welche Erwartungen Unternehmen haben. Oft ist unsere Zusammenarbeit mit den Schulen derart intensiv, dass wir wöchentlich Kontakt haben. Desweiteren bieten wir mehrere Möglichkeiten an, einmal bei HP reinzuschnuppern. So kann ein junger Mensch sicher am besten erfahren wie seine Welt von morgen, die Welt nach der Schule aussehen wird. Im Gegenzug möchte ich Schülerinnen und Schülern empfehlen, gerade diese Programme der Unternehmen zu nutzen. Nicht nur um sich die entsprechenden Informationen anzueignen, es kann später auch für den Bewerbungsprozess hilfreich sein, wenn man sich schon ein wenig kennt.

Zurzeit leiden viele Firmen unter der weltweiten Wirtschaftskrise. Wie wirkt sich dies auf ihre Ausbildungszahlen aus?

HP hat seine Ausbildungszahlen in den letzten Jahren kontinuierlich erhöht und setzt dies auch für den Jahrgang 2009 fort. Alles was sie heute im Rahmen des Einstellungsprozesses für Auszubildende und Studenten im Dualen System entscheiden wirkt sich – bezogen auf den Arbeitsmarkt - erst in 4 Jahren aus. Nämlich dann, wenn die zukünftigen Fachkräfte ihre Ausbildung oder Studium beendet haben. Bis dahin ist hoffentlich die Krise Geschichte.

Was ist der Abschluss der Dualen Hochschule eigentlich wert?

Rein formal ist der Abschluss ein akademischer Bachelor. Das mag auf den ersten Blick nüchtern klingen, ist aber dennoch mehr als man vergleichsweise bei anderen deutschen Hochschularten in so kurzer Zeit aktuell erreichen kann. Insofern wird der besondere Stellenwert des DH-Studiums durch die intensive Studienzeit gepaart mit Praxiserfahrung im "real life" also auch an dieser Stelle gewürdigt. Bezogen auf die weiteren Entwicklungsmöglichkeiten öffnen sich dadurch auch neue Wege in Richtung Master usw. Darüberhinaus werden die Abgänger von den Unternehmen sehr geschätzt. Das spiegelt sich auf der einen Seite durch die hohe Übernahmequote der Unternehmen, auf der anderen Seite durch die stetig stark wachsende hohe allgemeine Nachfrage nach Dualen Studiengängen wider. Sie dürfen nicht vergessen, dass hinter jedem Studierenden im Dualen System immer ein Unternehmen steht, welches viel Geld in seine Studierenden investiert. Das würden die Unternehmen nicht tun, wenn sie von dem Modell nicht völlig überzeugt wären.

Sind Ihre Studienrichtungen eigentlich auch für Frauen geeignet?

Es klingt doch alles ziemlich technisch? Sie haben Recht. Die von HP angebotenen Studiengänge klingen im ersten Moment nach Technik. Dennoch ist unser Anteil an Frauen bei 40%. Diese Zahl beweist sicher, dass der erste Eindruck täuscht, und sich hinter den Studiengänge viel mehr verbirgt als ein einfacher Blick auf den Namen erwarten lässt. Nebenbei möchte ich erwähnen, dass unsere Frauen im Studium sehr wohl „ihre Frau stehen“ und den Jungs keineswegs unterlegen sind.
Oft tendiert es sogar in die andere Richtung. Das liegt sicher auch darin begründet, dass heute immer noch viele junge Männer glauben, sich alleine mit ihrem technischen Grundwissen über Computer im Rahmen des Bewerbungsprozess bei uns auszeichnen zu können. Aber die Spielkinder, die schon von klein auf im Keller sitzen und ihren Computer „quälen“, zeigen oft auf einer anderen Ebene – Stichwort soziale Kompetenz – ihre Entwicklungsfelder. Im heutigen Arbeitsleben werden aber nur die wirklich erfolgreich, die sowohl Fachkompetenz als auch Methodenkompetenz mit den entsprechenden Soft-Skills beherrschen. Letzteres ist oft ein positiver Schwerpunkt junger Frauen.

Was ist Ihnen bei einer Bewerberin oder einem Bewerber am wichtigsten: die Persönlichkeit, die Noten oder das Interesse am angestrebten Studienfach?

Genau in der Reihenfolge. HP bildet bedarfsorientiert aus. Diesbezüglich ist es wichtig, dass die Menschen in unser Unternehmen passen und auch die branchenspezifischen Rahmenbedingungen als positive Herausforderung annehmen können. Deshalb haben wir im Rahmen unseres Bewerbungsprozesses auch keinen klassischen Einstellungstest. Wir nehmen uns die Zeit, mit jedem für uns relevanten Bewerber ausführlich zu reden. Natürlich müssen die Noten stimmen, weil sonst schon das Studium an sich zur unüberwindbaren Hürde werden kann, aber das setzen wir voraus. Das Interesse am Studienfach hat sicher eine Relevanz, allerdings versuchen wir vielmehr herauszufinden, ob ein Bewerber weiß, was ihn bei den einzelnen Studienrichtungen erwartet und ob sie am Ende wirklich zu den persönlichen Erwartungen passen. Nicht selten kommt es vor, dass sich ein Jugendlicher bei uns für den Studiengang X bewirbt, wir uns aber am Ende unserer gemeinsamen Gespräche einig sind, dass ein Angebot für Studiengang Y besser passt.

Meine letzte Frage: Kann man das alles auch einmal „Live“ erleben?

Wie schon beschrieben, bietet unser Unternehmen viele Möglichkeiten, sich bei und über HP zu informieren oder einfach mal bei uns reinzuschnuppern. Als Einstieg möchte ich aber unser Forum Duales Studium wärmstens empfehlen, in dem Hochschulprofessoren, Experten und Manager von HP und Studierende informieren und beraten. Unsere Besucher können offen ihre Fragen stellen oder individuell diskutieren. Die kostenfreie Anmeldung und weitere Informationen finden Sie unter www.hp.com/de/ausbildung

 

Das Interview führte Herbert Osterrieder.